
Lange hat es gedauert. Eigentlich sogar viel zu lange. Und ein großes Google PageRank Update ist es nicht geworden. Es gab nur ein kleines PR-Update. Dafür aber auch eines, dass es in sich hatte. Und vor allem eines, das für gewaltiges Aufsehen gesorgt hat. Man kann deshalb in wahrsten Sinne des Wortes von einem echten PR Spektakel sprechen.
Einmal im Sinne eines PublicRelations Spektakels, denn die Berichterstattung in den Blogs schlägt hohe Wellen und andererseits im Sinne eines PageRank Spektakels, denn ein derartiges Eingreifen in die heiligen Rankingtabellen des Suchmaschinen-Gottes hatte es bis dato noch nie gegeben.
Nach langen Drohgebärden, einem Update der Webmaster Richtlinien und Einführung eines Meldeformulares für gekaufte Links hat Google endlich zugeschlagen und bei den grünen PageRank Balken aufgeräumt. Wie es scheint wurden Linkverkäufer als auch Linknetzwerke abgestraft. Anbei ein paar Kandidaten.
Schon wirklich renomierte Namen, denen Google da am PageRank rumzwackt. In der Regel gehen 2-3 PR-Punkte flöten. Aber Google geht da anscheinend selektiv vor. Im Fall von Robert Basic seinem Blog ging zwar das Blog von 6 auf 4 um zwei Punkte runter, die eigentliche Startseite erfreut sich aber immer noch eines PR 5. Auch hat es noch lange nicht alle “linken” Anbieter erwischt, Stern, Capital und Co. erfreuen sich auch jetzt immer noch bester Gesundheit.
Der springende Punkt kommt jedoch noch. Was passiert denn nun außer dieser PR-Balken Kosmetik? Werden die Rankings der betroffenen Seiten leiden? Kann ich nicht wirklich glauben, dazu sind die Inhalte der meisten Webseiten zu wertvoll für Google. Ich sehe das mehr als einen Warnschuss um die Linkverkäufer und Käufer aufzuschrecken. Mit Erfolg, wie die ersten Reaktionen zeigen. Werbeanzeigen werden abgebaut, Mails kündigen das Ende von Linkverkaufs-Dienstleistungen an. Sowohl auf Seiten der Verkäufer als auch Mieter wird es einige Aussteiger geben.
Werden die Links noch vererben? Ich denke nicht, denn dann hätte Google wirklich was falsch gemacht. Die Frage ist höchstens, wie gut ist Googles Erkennungsquote. Soll man drin bleiben in der Linkmiete, wenn der PageRank Balken auf der Verkäufer-Seite nicht gewackelt hat? Oder ist das rausgeschmissenes Geld? Noch fataler, macht es Sinn jetzt in Panik aus allen Mieten auszusteigen und so ein deutliches Zeichen der Veränderung für Google zu setzen?
Diese Überlegungen stehen und fallen mit Googles Umgang mit den Linkmietern. Werden die Links lediglich rausgefiltert, dann kostet das zwar Geld und den ergaunerten Teil des PageRanks / Trusts, die Seiten wären aber halbwegs heile aus der Sache rausgekommen und die Rankings in manchen Bereichen vielleicht kaum verändert, weil ein Großteil der Konkurrenz ebenfalls auf Linkmiete gesetzt hat ;-) Kann Google die Mieter in Massen abstrafen? Wohl kaum, erstens gäbe es dann ein echtes PR-Spektakel und zweitens sind die betroffenen Seiten meist von ganz guter Qualität.
Und drittens ist m. E. Google mit Schuld an dieser Entwicklung. Wer so lange zaudert und nichts tut, der verleitet nicht nur viele Webmaster zum Einsatz solcher Mittel, der zwingt sie schon fast dazu. Denn welcher Geschäftsmann kann es sich leisten, Monat für Monat mit anzusehen, wie die Konkurrenz an ihm mit Leichtigkeit vorbeizieht, wie seine Einnahmen sinken, weil andere mieten und wie seine Rankings fallen, während die der Konkurrenz fleißig steigen. Mit ehrlichen Methoden kommt man in vielen Branchen gegen eine solche Brute-Force Strategie nicht an.
Ich hätte mir solch eine Aktion damals zu Linktrade.biz Zeiten gewünscht, auch damals hatte Google sehr lange gebraucht, um auf das automatische Linktausch System zu reagieren. Was soll man einem Kunden erklären, der mit dem Keywort “Private Krankenversicherung” von 1 auf 7 runterrutscht, weil lauter Linktrader sich mit zudem qualitativ recht fragwürdigen Seiten über ihn geschoben haben und ihm dadurch jeden Tag 1000 Euro aus dem Portemonnaie gestohlen gezogen haben. “Ruhe bewahren”, “Glaub an das Gute”, “Google wird es schon richten” oder “Alles wird gut” wären so Sätze die man versuchen könnte. Nur wenn Woche für Woche ins Land zieht und nichts passiert, dann kann das ziemlich nervig werden.
Mit dem Linkverkaufen ist es auch nicht viel anders. Immer wieder predigt man, dass Linkmieten ungesund ist. Dass Google das schon richten wird. Und was passiert? Mieten funktioniert nicht nur wie blöd, es entstehen sogar eigene Dienste und Marktplätze zum Mieten und Vermieten von Links. Selbst in Google Anzeigen wird fröhlich die Linkmiete beworben. Hallo, das kann dann ja nicht so schlimm sein, wenn Google sogar die Linkmiet-Werbung toleriert. Oder etwa nicht?
Und jetzt haben wir den Salat. Google steckt in einem echten Dilemma. Erstens muss man Stärke zeigen, zweitens darf man unschuldig in Not geratene Webmaster nicht zu hart bestrafen, drittens kann man sich schon jetzt auf die nächste Generation Linkverkauf einstellen, wo dann die Links im Text verschwinden, inhaltlich relevanter werden und keine simplem Muster mehr die Erkennung erleichtern.
Und jetzt bin ich noch auf den Big Bang gespannt. Eigentlich muss es noch einmal richtig krachen und ein Exempel statuiert werden. Das hier kann ja nicht alles gewesen sein. Irgendein Linkverkäufer muss noch den Blattschuss versetzt bekommen. Und nicht nur hier bei uns, eigentlich bräuchte jedes Land zur Abschreckung solch eine gogolistische Macht-Demonstration.